die wunderbaren traeume des baeren odin
tagtraum 2

doch ploetzlich bemerkte odin,
dass er sich nicht als pirat an einem strand befindet,
sondern dass er im dichten wald steht
und direkt vor sich einen wunderschoenen blau schimmernden hirschkaefer sieht,
der in geringer entfernung herumkrabbelt und unter blaettern und zwischen pilzen
und graesern etwas zu fressen sucht.
der hirschkaefer krabbelt aber schliesslich weit unter die herumliehenden blaetter
und odin verliert ihn somit aus den augen.
da kommt odin die idee,
dass es sicher toll waere ein stolzer indianer zu sein
und mit anderen indianern vor einem zelt auf warmen weichen decken zu sitzen
und eine schoene friedenspfeife zu rauchen.
odin denkt sich,
dass es bestimmt wunderschoen waere
mit anderen indianerbaeren zusammen einen grossen,
eindrucksvollen marterpfahl aus holz zu schnitzen.
sicher,
es wuerde sehr viel zeit in anspruch nehmen,
aber es waere doch bestimmt unheimlich interessant
einen solchen pfahl aus eigener tatze entstehen zu sehen,
um ihn danach in den farben schwarz,
grau
und rot anzumalen.
oder vielleicht gruen,
blau
und orange.
als vorlage fuer diesen marterpfahl koennte ein stolzer,
grosser adler dienen,
der seine fluegel weit spreizt
und somit das gefuehl von groesse und stolz vermittelt.
wenn der marterpfahl fertig geschnitzt und angemalt ist,
werden alle indianer ihre schoensten kleider tragen
und die fertigstellung des pfahls mit indianermusik
und wundervollen taenzen feiern.
ja,
mit einem grossen,
schoenen fest das die ganze nacht dauern wird,
und das allen sehr viel spass
und freude machen wird.
zu dieser feier sind alle tiere des waldes herzlich eingeladen
und jedes der eingeladenen tiere kann,
wenn es moechte,
einen oder mehrere freunde mitbringen.
je mehr tiere zur feier kommen,
je schoener
und unterhaltsamer wird sie.
die indianer feiern die ganze nacht
und tanzen mit ihren prachtvollen kleidern um ein grosses lagerfeuer,
das die aeltesten
und erfahrensten indianerbaeren aus aesten
und zweigen zusammengetragen
und gebaut haben.
es brennt wunderschoen
und man hat das gefuehl es sei so gross,
dass es bis in den himmel hinauf reicht.
das lagerfeuer erhellt das indianerlager in der nacht
und der dunkle himmel ist mit hell leuchtenden sternen bedeckt.
die indianer tanzen und odin freut sich,
dass er einen wunderbaren kopfschmuck aus vielen,
vielen federn traegt,
der fast bis auf den boden reicht.
er hat einen bogen in der hand.
aber wo sind die pfeile?
na,
die liegen sicher noch in seinem zelt,
dort wo er sie vergessen hat.
odin traegt auch einen kleinen lendenschurz,
der mit einem dicken tuch
um den bauch befestigt ist
und je ein buntes tuch um jeden arm gewickelt.
am linken arm eines aus rotem,
am rechten eines aus blauem stoff
und jedes mit einem knoten befestigt.
wer ist denn das?
eine kleine gelb blau geringelte schlange schleicht sich ueber einen stein der neben odin liegt.
naja,
die kleine schlange moechte sich bestimmt nur den
neu gebauten
und frisch gestrichenen marterpfahl ansehen.
am naechsten morgen erwachen alle kleinen baerenindianer erst sehr spaet,
da die feier in der vorangegangenen nacht sehr lange gedauert hat.
die sonne geht auch schon auf,
und zum vorschein kommt mitten zwischen den zelten ein zweiter marterpfahl,
der aber schon etwas aelter ist.
der marterpfahl sieht aus,
als wuerden zwei enten aufeinander stehen,
aber das tun sie nicht.
sie sind auch nur aus holz geschnitzt
und bunt angemalt,
wie der andere marterpfahl den die baeren am vortag geschnitzt hatten.
die indianer haben ihr lager zwischen zwei schoenen grossen baeumen aufgeschlagen.
ihre zelte bestehen aus braunen,
bunt bemalten lederstuecken die zusammengenaeht
und um lange hoelzer gespannt wurden.
die zelte sind mit kreisen,
schoenen mustern
und verschiedenen tieren bemalt,
damit man genau weiss,
wer in welchem zelt wohnt
und keines verwechselt.
zum zeichen,
dass das eine zelt odin gehoert,
hat odin seinen langen speer vor dem zelteingang,
der mit einem bunten tuch zugehaengt ist,
in den boden gesteckt.
nun sitzt odin vor seinem zelt
und raucht gemuetlich eine pfeife.
bevor er sich die pfeife angezuendet hat,
hat er die anderen baeren gerufen
damit er die pfeife nicht alleine rauchen muss,
wozu er ueberhaupt keine lust hatte.
aber was ist denn da los?
da tanzt ja immer noch ein baer um das jetzt immer noch sehr grosse lagerfeuer.
hat er odin nicht rufen gehoert oder gefaellt ihm das tanzen einfach so gut,
dass er nicht aufhoeren moechte?
na,
der andere baer hat seine einladung zum rauchen der pfeife angenommen,
moechte aber vorher noch den bogen mit den pfeilen in sein zelt legen
damit er nicht staendig darauf aufpassen muss.
hier soll es naemlich einen kleinen frechen igel geben der auf zelte klettert,
und von dort oben alles ueberschauen kann.
kleine herumliegende sachen,
wie zum beispiel die sachen eines kleinen baerenindianers,
pfeil und bogen vielleicht,
schnappt er dann
und wenn niemand hinschaut,
verschwindet er damit.
man hat schon gegenstaende wie friedenspfeifen
oder weiche flauschige decken zwischen all den pilzen
und pflanzen nahe den grossen baeumen wiedergefunden
und sich gewundert,
wie sie dort wohl hingekommen sind.
dann hat man schliesslich bemerkt,
dass es der kleine igel ist,
der die sachen dort versteckt.
neben odin stehen noch die trommeln,
auf denen die ganze nacht zur feier getrommelt wurde,
denn was ist eine indianerfeier ohne trommeln und gesang.
vielleicht hat auch odin einfach nur vergessen die trommeln in sein zelt zu stellen,
oder vielleicht weiss er gar nicht,
welchem indianer die beiden trommeln eigentlich gehoeren
und wartet nur darauf bis diese von jemandem abgeholt werden.
das ganze geschehen wird am fruehen morgen von einem uhu,
der versteckt im baum sitzt,
mit weit offenen augen beobachtet.
dieser uhu ist sehr darueber verwundert,
dass bis jetzt immer noch niemand den kleinen lustigen igel bemerkt hat,
der auf ein zelt gekrabbelt ist
und die ganze gegend nach kleinen mitnehmbaren sachen absucht.
weit hinter den beiden zelten nahe den bergen plaetschert ein kleiner wasserfall,
und der baer der die ganze zeit hindurch getanzt hat,
hat sich nun dazu entschlossen,
zum wasserfall zu gehen um ein erholsames langes
und erfrischendes bad zu nehmen.
und nebenbei,
wie es der zufall will
und wenn er viel glueck hat,
koennte er ja einen schoenen fisch fangen,
den er,
wenn dieser gross genug ist,
mit den anderen baeren gemeinsam zum fruehstueck verspeisen kann.
puh,
das wasser ist ganz schoen kalt
und der baer denkt sich,
lieber ein kurzes bad zu nehmen,
ein sehr kurzes,
damit er nicht zu nass wird
und vielleicht noch anfaengt zu frieren.
mittlerweile sind auch einige kaefer aufgewacht
und klettern nun langsam die baeume hinauf,
um die waerme der ersten sonnenstrahlen aufzufangen.
der kleinen raupe im baum ist die sonne schon viel zu hell,
und sie hat sich dazu entschlossen schon ihre sonnenbrille aufzusetzen,
damit sie von der sonne nicht geblendet wird.
einer der baeren hat sich auf den weg gemacht,
einmal nach dem fell zu sehen,
dass er am abend vorher abgewaschen
und zwischen zwei pfaehlen zum trocknen aufgespannt hat.
er hat naemlich waehrend der feier in der vergangenen nacht
ein bisschen honig auf das fell geschuettet.
das ist nicht schlimm,
muss aber abgewaschen werden weil es ziemlich stark klebt.
und wer moechte schon an einem,
zwischen zwei pfaehlen aufgespannten fell,
festkleben?
odin,
der immer noch vor seinem zelt sitzt,
hat sich ueberlegt,
ob er nachdem er seine pfeife in ruhe fertiggeraucht hat,
in den nahen wald geht,
um fuer das mittagessen leckere und frische pilze zu sammeln,
die ueberall im wald wachsen.
wo?
na ueberall,
man muss sie nur suchen.
sie wachsen oft zwischen den grossen wurzeln der alten riesigen baeume
oder liegen versteckt zwischen abgebrochenen aesten
und unter bergen von laub.
die suche lohnt sich aber oft,
denn wenn man an gebratenen fisch mit pilzen denkt,
laeuft einem baeren alleine schon von diesem gedanken das wasser im mund zusammen.
als nachspeise muss man nur noch an bueschen haengende brombeeren oder himbeeren pfluecken,
und schon hat man die leckerste nachspeise die man sich vorstellen kann.
nach dem koestlichen essen haben sich drei der indianer dazu verabredet
gemeinsam einen verdauungsspaziergang in die nahen berge zu machen.
denn fisch essen
und danach faul herumliegen,
dass ergibt wohl mit der zeit einen dicken bauch.
ausserdem tut ein langer spaziergang den strapazierten baerenknochen ganz gut
und man wird danach schoen muede sein
und sich fuer einige zeit,
wenn man wieder zuhause angekommen ist in eine warme decke im zelt kuscheln
und ein schoenes festes schlaefchen halten.
und vor gar nicht all zu langer zeit hat einmal ein alter indianerbaer erzaehlt,
dass man mit gefuelltem bauch viel viel besser schlaeft als mit einem leeren baerenbauch.
und das stimmt sicher,
denkt sich odin,
dreht sich auf die seite,
zieht sich eine decke ueber den bauch und schlaeft beruhigt ein.