die wunderbaren traeume des baeren odin
tagtraum 5

aber was ist denn das?
ploetzlich beruehrt ein vorbeifliegendes blatt odins nase
und reisst damit ihn aus seinem traum,
ein kleiner zauberbaer zu sein.
hier fliegen ueberhaupt sehr viele blaetter im wald herum.
naja,
der wind ist ja auch sehr stark und da die kleinen blaetter keine aermchen haben,
um sich irgendwo festzuhalten oder kleine beinchen,
um irgendwo hinzulaufen,
um vor dem starken wind schutz zu suchen,
sind sie ihm ausgeliefert
und fliegen durch seine kraft getrieben durch den wald.
vorbei an baeumen,
straeuchern,
farnen,
graesern
und all den kleinen bunten pilzen,
die ueberall auf dem waldboden zwischen den grossen wurzeln der baeume,
unter hecken und straeuchern,
auf den gruenen wiesen
und sogar versteckt hinter grossen steinen wachsen.
vielleicht koennte odin ja auch eine menge der herumliegenden
und herumfliegenden bunten blaetter einsammeln,
sie zu einem kleinen laubberg haeufen
und sich dann auf das weiche,
selbstgemachte bett legen,
um einige vorher gepflueckte brombeeren zu naschen
und danach ein kurzes mittagschlaefchen zu machen,
oder ganz einfach wieder etwas schoenes zu traeumen.
aber was kann er diesmal traeumen?
odin ich isst erst einmal die frisch gepflueckten brombeeren.
vielleicht faellt ihm ja waehrend des essens etwas schoenes ein.
als odin seine brombeeren gegessen,
und es sich in dem selbstgemachten laubbett so richtig gemuetlich gemacht hat,
schlummert er mit seinem gut gefuellten bauch ein.
odin sieht sich auf einer steinernen treppe stehen.
aber was ist denn das fuer eine treppe?
und was ist das fuer ein schoenes,
schweres hoelzernes tor an dem zwei leuchtend gelbe kreuze befestigt sind?
und was noch raetselhafter ist.
welches gewand traegt odin eigentlich?
es ist ein schoenes helles gewand mit einem roten unterrock
und einem gruenen tuch das ueber beide schultern herabhaengt.
und was ist das?
odin sieht das schluesselloch in der tuer,
in dem kein schluessel steckt.
man kann durch das schluesselloch einen hellen lichtschein hinter der tuer sehen
und odin hat sich dazu entschlossen,
die grosse,
hoelzerne tuer zu oeffnen
und das geheimnis um seine raetselhafte kleidung
und das licht in dem raum hinter der tuer zu lueften.
er drueckt die tuerklinke nach unten
und schiebt die tuer langsam nach innen.
die tuer quietscht zwar leise,
aber das hat bestimmt niemand gehoert.
odin tritt in den grossen raum
und schliesst die hoelzerne tuer wieder hinter sich.
ganze leise schleicht er sich durch den grossen raum
und stellt erstaunt fest,
dass er sich in einer wunderschoenen alten kirche befindet.
riesige,
aus stein gemeisselte saeulen stuetzen das dach,
das so weit oben ist,
dass man sich ganz schoen weit zurueckbeugen muss um es zu sehen.
an der hinteren wand sind riesengrosse, bunte fenster,
auf denen im glas viele kleine engelsbaeren abgebildet sind.
jeder dieser engelsbaeren traegt ein kleines gewand,
und einige von ihnen haben eine kleine blaue trompete dabei,
mit der sie bestimmt wohlklingende lieder blasen koennten.
aber das schoenste an ihnen sind ihre klitzekleinen fluegel,
mit denen sie munter umherfliegen
und sich alles anschauen.
sie fliegen dorthin wo sich andere kleine engelsbaeren niedergelassen haben
um ein langes lied zu singen das von den engelsbaeren begleitet wird,
die eine kleine blaue trompete haben.
in den zwischenraeumen der grossen fenster,
in denen keine baeren zu sehen sind,
hat jedes glas eine andere farbe
und man muss schon ganz genau hinsehen
um die baerenengel mit ihren gewaendern von dem rest der fenster zu unterscheiden.
denn auf den ersten blick ist auf den fenstern ja ein ganz hecktisches herumgewusel.
auf der linken
und auf der rechten seite der grossen,
mit baerenengeln gefuellten fenster sind auch riesengrosse fenster,
die aber keine baerenengel zeigen.
das glas dieser fenster ist einfach nur rot und rosa auf der linken,
und hellgruen
und dunkelgruen auf der rechten seite.
vor den,
mit baerenegeln gefuellten scheiben steht ein grosser altar,
auf dem ein gelb leuchtendes kreuz befestigt ist.
in der mitte dieses altares steht ein kleines goldenes kaestchen mit einer tuer,
die man mit einem schluessel oeffnen kann.
links und rechts neben dem goldenen kaestchen stehen je zwei wunderschoene goldene kerzenstaender,
auf denen je eine grosse,
brennende kerze steht.
wer genau hinsieht,
entdeckt auch die verschieden grossen honigtoepfe,
die hinter den kerzen in kleinen,
extra fuer die honigtoepfe vorgesehenen nischen stehen.
auf dem kleinen goldenen kaestchen steht ein kostbarer,
wie eine sonne geformter pokal,
dessen sonnenstrahlen wie die einer richtigen sonne in alle richtungen strahlen.
neben das goldene kaestchen,
das in der mitte des hinteren altares steht,
hat auch irgend jemand wunderschoene blumen in bunten blumenvasen gestellt.
vorn,
direkt an der treppe,
ueber die ein hell orange leuchtender breiter teppich gelegt ist,
steht ein zweiter,
etwas kleinerer altar,
der wohl etwas kleiner als der hinten stehende ist.
dieser altar steht dem anderen in seiner schoenheit aber in nichts nach.
ueber ihn ist ein grosses,
fast den ganzen altar ueberdeckendes rotviolettes tuch gelegt,
das weit nach vorne herunterhaengt.
auf den beiden aeusseren ecken dieses kleineren altares steht je eine kleine leuchtende kerze
damit der pfarrer beim vorlesen seiner heiligen messe genug licht hat.
um die kirche noch mehr zu verschoenern hat odin links
und rechts neben dem altar
je eine sehr grosse blumenvase,
gefuellt mit zauberhaft bunten
und sehr schoen duftenden blumen,
gestellt.
nun versteht odin auch,
warum er dieses gewand traegt.
er ist ein pfarrer in seiner kirche,
der gerade eine messe abhaelt.
odin liest die elf gebote der tierwelt vor,
denn in der tierwelt gibt es ein gebot mehr als in der menschenwelt.
lieber ein gebot zuviel als eines zu wenig.
zwei messdiener,
einer von ihnen kniet auf den treppenstufen,
hoeren odin aufmerksam zu.
in den geboten,
die odin vorliest,
geht es darum,
dass alle tiere in frieden miteinander leben sollen.
es hat aber keine bedeutung wo sie leben,
es ist egal wie gross oder klein sie sind
und es macht nichts welcher tierart sie angehoeren.
egal ob sie nun in einem dicht bewachsenen wald,
einer weiten,
nur mit gras
und bueschen bewachsenen steppe oder irgendwo im wasser leben.
sie alle sollen einander helfen
und wenn einmal jemand von ihnen krank geworden ist fuer ihn dasein
und ihn wieder gesundpflegen.
oder demjenigen helfen,
der verzweifelt und hungrig ist
und die stelle an einem busch nicht erreicht,
an der die saftigsten fruechte wachsen,
um diese zu pfluecken
und dann satt zu werden.
die tiere die keine angst vor der dunkelheit haben
und sich sicher fuehlen,
sollen all den tieren,
die bei dunkelheit ein unsicheres gefuehl haben,
zeigen,
dass sie im dunkeln ueberhaupt keine angst haben muessen.
man ruft einfach ein gluehwuermchen herbei,
das einem den weg im dunkeln zeigt,
wohin
und zu wem man auch immer gehen moechte.
tiere,
die schwimmen koennen,
sollten es denen,
die es nicht koennen entweder beibringen
oder ihnen helfen das wasser sicher zu ueberqueren.
das kann man vielleicht,
indem man den kleinen nichtschwimmer ganz einfach auf seinem ruecken platz nehmen laesst
und zu ihm sagt,
er moechte sich am wuscheligen fell
waehrend der ueberquerung des wassers festhalten.
und schwupps,
schon hat man den see oder den bach spielend leicht ueberquert.
ausserdem sollte man immer dazu bereit sein auf die kinder einer mama aufzupassen.
waehrend diese das essen macht oder die wohnung reinigt.
damit die kleinen keine dummheiten machen.
dann ist es noch sehr wichtig,
dass alle die mittagsruhe einhalten
und waehrend dieser zeit vielleicht sogar ein mittagsschlaefchen machen.
alle tiere,
die etwas zu essen gefunden haben,
sollten die einladen,
die weniger oder ueberhaupt noch nichts gefunden haben.
ebenso sollte sich jedes tier um die blumen kuemmern,
die im wald wachsen.
denn blumen brauchen viel liebe
und pflege.
wenn die nacht hereinbricht muessen alle erwachsenen tiere darauf achten,
dass auch alle tierkinder zum schlafen gehen.
denn schlafen ist wichtig,
vor allem fuer kleine tiere.
und waehrend der nacht,
wenn alle die schlafen,
die am tag durch den wald wuselten,
passen die auf die schlafenden auf,
die am tag schlafen
und in der nacht wach sind.
wie die eule
und die fledermaus.